Aktive und passive Armprothesen

Die passive Armprothese

Die Akzeptanz einer Armprothese ist abhängig von ihrem Gewicht, Erscheinungsbild und einem positiven Verhältnis von Erwartung und tatsächlicher Erfüllung funktionaler Ansprüche.

Die Funktionsweise einer Armprothese ist abhängig von der Länge des Armstumpfes, dem Zustand der Weichteile und der Haut am Stumpf sowie der Einstellung ihres Trägers zur erfolgten Amputation und Ausstattung mit einer Prothese und der diesen Gegebenheiten entsprechenden Materialienauswahl der Prothese.

Eine passive Armprothese ermöglicht den Einsatz des künstlichen Daumens als Gegenhalt, das Bewegen einer Lenkvorrichtung, das Tragen von Gegenständen und sie schützen den Stumpf vor Verletzungen. Eine passive Armprothese mit Ellenbogengelenk kann in der Modularbauweise oder Schalenbauweise hergestellt werden.

Geschichte der Armprothethik: ca. 1950Geschichte der Armprothethik: ca. 1950Die Modularbauweise einer Armprothese besteht aus einem einachsigen Ellenbogengelenk, das durch eine Zugsperre oder Rastenfeststellung gesperrt werden kann. Das Gelenk und die jeweiligen Verlängerungen für den Ober-und Unterarm sowie ggf. die Schulter werden mit einem runden individuell angepaßten Schaumstoff und einem Perlon-Kräusel-Trikotschlauch überzogen und soll der Prothese ein möglichst natürliches Aussehen geben.

Armprothesen in Schalenbauweise bestehen aus Kunststoff. Die Ober-und Unterarmteile sind durch eine Halbkugel und zwei seitliche Scharniere verbunden. Das obere Paßteil läßt das Ellenbogengelenk frei schwingen. Das untere Paßteil läßt sich durch eine Rasterfeststellung oder stufenlos sperren. Die passive Bewegung im Oberarm (Sichelbewegung) wird ermöglicht durch einen stufenlos verstellbaren Drehring aus Metall, der auf der Halbkugel befestigt wird. Wenn der obere Ring aus Holz gefertigt wurde, kann keine passive Bewegung im Oberarm ausgeführt werden.

Es ist fraglich, ob beide Bauweisen einem hohen Anspruch auf ästhetischen Ausgleich erfüllen. Armprothesen nach der Modularbauweise, die ihrem Aufbau nach dem natürlichen Arm am meisten entsprechen (die Knochen und Gelenke, bei Prothesen Gelenke und Stangen, sind umgeben von Schaumstoff und einem kosmetischen Überzug), weisen in gebeugter Stellung einen Knick in Höhe des Gelenkes auf. Die Prothesen in Schalenbauweise weisen eine Aussparung im Unterarm auf, die durch das Gelenk bedingt sind. Die Aussparungen lassen sich nur mit sehr dicker Bekleidung verdecken. Der Vorteil beider Bauweisen liegt in der einfachen Wartung und Bauweise, die wenig anfällig ist. Außerdem verfügen passive Armprothesen über ein geringes Gewicht und können im Schaftbereich variabel gestaltet werden.

Passive Prothesenhände bestehen aus einer Innenhand und einem Kosmetikhandschuh. Die Stellung des Handgelenkes und der Finger sowie die Farbe des Kosmetikhandschuhs werden der natürlichen Hand nachempfunden. Die Finger werden mit Drahteinlagen verstärkt und lassen sich daher nachstellen. Die Kosmetikhandschuhe werden aus Polyvinylchlorid (PVC) oder Silikonkautschuk hergestellt. Beide Materialien haben den Nachteil, daß sie schnell Stoffasern und Farben aufnehmen, die sich nur schwer wieder entfernen lassen. Die orthopädische Industrie hat dagegen antistatische Schutzfilme entwickelt.

Eine weitere Variante stellt eine Hand dar, bei der der Daumen und der Klein-sowie Ringfinger durch Bügel ersetzt werden kann. Der Daumen ist mit einer Feder versehen, so daß leichte Gegenstände gehalten werden können. Auch bei dieser Prothesenhand wird der Bügel mit einer Innenhand und einem Kosmetikhandschuh überzogen. Das Handgelek bei Armprothesen in der Schalenbauweise kann passiv rastenlos oder mit Sperrhebeln eingestellt werden.

Albrecht Marignoni



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Stand: 9/2008


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