Ursachen für Erblindungen, Mobilität

Blind sein, erblinden

Nach der gesetzlichen Definition in Deutschland ist eine Person blind, wenn ihre Sehschärfe (Visus) auf dem besseren (und voll korrigierten) Auge höchstens 1/50 ist oder wenn andere bleibende Störungen des Sehvermögens vorliegen, die dieser Beeinträchtigung der Sehschärfe gleichzusetzen sind. Nach der Definition der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft gehört dazu eine Einschränkung der äußeren Gesichtsfeldgrenze auf höchstens 5 Grad Abstand vom Zentrum auf beiden Augen. Der medizinische Fachausdruck für Blindheit, die Amaurose, bedeutet die fehlende Lichtscheinwahrnehmung eines Auges.

Ursachen

Grundsätzlich kann jede Störung einer Struktur des visuellen Systems zu einer Erblindung führen.
- angeborene Blindheit
- ungenügende Ausdifferenzierung der kortikalen Sehstrukturen (Amblyopie), z. B. durch Schielerkrankung (Strabismus)
- fehlende Elemente des Sehapparates
- fehlende Verbindung zwischen Auge und Gehirn
- genetische Veranlagungen, die im Laufe des Lebens zur Erblindung führen können (z. B. Retinopathia pigmentosa, juvenile Makuladegeneration, hereditäre Optikusatrophie)
- erworbene Blindheit
- altersbedingte Makuladegeneration (AMD) als häufigste Ursachen in Industrieländern, in D etwa 50 %
- Trübung der Augenlinse graue Star, als weltweit häufigste Ursache
- Diabetes, in Deutschland etwa 17 %
- akuter oder chronischer grüner Star (Glaukom), in D etwa 20 %
- Netzhautablösung
- Folge eines Schlaganfalls
- Embolien oder Thrombosen der versorgenden Blutgefäße
- Verletzungen
- Infektionen (z. B. Trachom)

Computernutzung

Blinde Menschen können Computer mit Hilfe einer sogenannten Screenreader-Software dem kostenlosen NVDA bedienen. Der Bildschirminhalt und die Bedienelemente werden von einer Sprachausgabe vorgelesen oder in Punktschrift auf einer Braillezeile ausgegeben. Auf der PC-Tastatur wird im Zehnfingersystem geschrieben und die Navigation erfolgt mittels Tastenkombinationen und den Cursortasten anstatt mit einer Maus. Auf Papier gedruckte Texte wie Bücher und Briefe können mit einem Scanner und einer Texterkennungssoftware gelesen werden. Blinde Internet-Nutzer sind auf eine barrierearme Gestaltung von Webseiten angewiesen.

Da viele Menschen erst im hohen Alter erblinden und Schwierigkeiten beim Erlernen der Bedienung eines PCs haben, gibt es spezielle Vorlesesysteme, mit denen gedruckte Texte ganz einfach erfasst, gespeichert und vorgelesen werden können.

Mobilität

Blinde Menschen können sich nach einem Orientierungs- und Mobilitätstraining (O&M) einigermaßen selbständig in ihrer Umwelt zurechtfinden. Ein weißer Langstock hilft bei der Orientierung im Nahbereich, Gehör und Geruchssinn liefern weitere Informationen. Auf vertrauten Wegen oder in bekanntem Terrain können blinde Menschen sich wesentlich besser orientieren als in gänzlich unbekannter Umgebung. Blindenführhunde führen ihre Halter auf dem besten Weg und weichen Hindernissen aus. Sie suchen und finden auf Kommando einzelne Wegziele wie Ampelpfosten, Briefkästen, Hauseingänge oder freie Sitzplätze in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Satellitengestützte Navigation und raumbezogene Informationssysteme, die mit blind bedienbaren Mobilgeräten genutzt werden können, stellen künftig eine große Chance für die Verbesserung der Mobilität und Lebensqualität blinder Menschen dar. Als erste satellitengestützte Navigationshilfen werden im deutschsprachigen Raum zurzeit die freie Software Loadstone-GPS und das kommerzielle Produkt Wayfinder Access genutzt. Beide Programme laufen auf höherwertigen Nokia-Mobiltelefonen, die mittels einer Screenreader-Software für blinde Menschen bedienbar sind. Die Informationen des Bildschirms werden von einer Sprachausgabe über den Lautsprecher ausgegeben.

Bodenindikatoren wie Rillen- und Noppenpflaster sollen blinde Langstock-Nutzer bei der Orientierung und Navigation auf Plätzen, Straßen, Gehwegen und in öffentlichen Gebäuden oder in Bahnhöfen unterstützen. Werden neben diesen taktilen Markierungsstreifen auch noch andere Hilfen wie Beschriftungen in Brailleschrift und Sprachansagen in Fahrstühlen bereitgestellt, spricht man von einem Blindenleitsystem. Verkehrsampeln mit akustischen oder vibrierenden Signalen und vorschriftsmäßig abgesicherte Baustellen und Bodenöffnungen machen die Teilnahme am Straßenverkehr für blinde Fußgänger weniger gefährlich.

Allgemeine Hilfsmittel

Für das alltägliche Leben gibt es viele verschiedene Hilfsmittel. Das fängt bei einfachen Dingen wie sprechenden Uhren und Weckern an und geht über den Milchalarm, der das Überkochen der Milch verhindert, bis hin zu einer Herdüberwachung, die piept, wenn der Herd zu lange angeschaltet ist oder die Kochplatten gefährlich heiß werden. Schon seit geraumer Zeit gibt es Skat-Karten, die mit einer Plastikfolie überzogen sind, so dass Sehende wie gewohnt spielen und Blinde die Karten gleichzeitig ertasten können. Eine Wahlschablone ermöglicht die unabhängige Teilnahme an politischen Wahlen.


Orthopoint Dokumentationen Handicaps einfach erklärt | Benutzungsbedingungen
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Blindheit aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 6 (1 Bewertung)