Gesellschaftliche Integration und Cerebralparese

Die Integration cerebralparetischer Kinder in die Gesellschaft

Von René Kälin

Cerebralparetische Menschen sollten so gut als möglich in die Gesellschaft integriert werden, was selbstverständlich für jeden Behinderten gilt. Es kostet viel Mühe und Zeit, sowohl für den Betroffenen als auch für das Umfeld des Betroffenen die beste Wohn- und Ausbildungsstätte zu finden. Ich denke jedoch, dass es sich lohnt, diese Zeit zu investieren, um jedem Zufriedenheit zu schaffen.

Das cerebralparetische Kind in der Familie

Die Kindheit innerhalb der Familie zu verbringen, gilt sicherlich für jedes Kind - behindert oder nicht - als Optimum und als erstrebenswert. Auf der anderen Seite haben nicht alle Eltern die psychische Kraft, gerade bei einem schwer behinderten Kind, die Betreuungsaufgaben auf sich zu nehmen. In so einem Fall sollte man die Eltern sicher nicht zur Betreuung ihres Kindes zwingen, da eine solche Belastung sich negativ auf das Kind auswirkt.

Sollten sich die Eltern zur Betreuung des Kindes innerhalb der Familie entscheiden, sollte eine Beratung durch den Orthopäden und den Physiotherapeuten erfolgen, damit die Eltern wissen, wie sie das Kind halten, tragen, hinlegen und hinsetzen sollen, um auch zu Hause den oben beschriebenen Schäden vorzubeugen. Ansonsten ist es ganz klar möglich, ein cerebral gelähmtes Kind in der Familie aufzunehmen und es da wie jedes andere Kind eine glückliche und zufriedene Kindheit erleben zu lassen. Die Wahl der richtigen Schule wird zum Problem.

Die Regelschule

Die Regel- oder Normalschule sollte bei der Einschulung als oberstes und bestes Ziel ins Auge gefasst werden. Sie sollte aber auch nicht auf biegen und brechen erzwungen werden. Bei der Einschulung von cerebralparetischen Kindern wird in jedem Fall eine schulpsychologische Abklärung durchgefüht, wo es sich zeigt, für welche Schule sich das Kind am besten eignet.

Die Regelschule gilt aus meiner Sicht eine Bereicherung. Sowohl für den Behinderten als auch für die Lehrperson und die anderen Schüler. Dabei wäre ebenfalls wichtig, dass die Lehrperson bei der Einschulung eines Kindes mit Cerebralparese etwas über CP im Allgemeinen und über die sichtbaren Symptome beim Betroffenen erfährt. Auch sollte die Lehrperson in ständigem Kontakt mit dem zuständigen Sozialarbeiter oder mit dem Physiotherapeuten sein.

Die Hilfs- und Kleinklassen

Ist sich der schulpsychologische Dienst nicht sicher, ob das cerebralparetische Kind für die Regelschule geeignet ist, erfolgt die Einweisung in eine Hilfsklasse. Dort wird der Stoff der ersten Primarklasse in zwei Jahren unterrichtet, danach folgt der Übertritt in die Regelschule In der Hilfsklasse soll sich zeigen, ob die Regelschule im konkreten Fall geeignet ist.

Ist der schulpsychologische Dienst der Meinung, die Regelschule sei zwar von den intellektuellen Fähigkeiten her angebracht, ist sich aber von der Schülerzahl her über die körperliche Belastbarkeit des Betroffenen nicht sicher, wird eine Kleinklasse gesucht, wo sich der Betroffene bei geringer Schülerzahl optimal integrieren soll.

Die Sonderschule

Dies ist der häufigste Fall bei der Einschulung cerebral gelähmter Kinder. In der Sonderschule wird auf jede individuelle Schulungsfähigkeit Rücksicht genommen und der Stoff dementsprechend angepasst. Für die Körperbehinderten sind meist die nötigen Therapiestunden im Stundenplan eingeplant, der Betroffene hat eine optimale körperliche Betreuung und
Pflege.

Die Körperbehindertenschule

Die Körperbehindertenschule, deren Schulstoff mit dem der Regelschule identisch ist, bietet zwar die bestmögliche körperliche Betreuung mit "Therapielektionen" im Stundenplan, hat aber aus meiner Sicht einen entscheidenden Nachteil: Es findet eine Ausgrenzung der Körperbehinderten, damit auch der cerebral Gelähmten, statt!


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