Die Hauptsymptome der Cerebralparese

Hauptsymptome Cerebralparese

Von René Kälin

Neben den sichtbaren Auswirkungen einer Cerebralparese im Rumpf kann man die Anomalien vor allem in den Extremitäten erkennen. Daher erachte ich es als sinnvoll, die verschiedenen Kombinationen der betroffenen Extremitäten zu erwähnen, bevor ich die einzelnen Symptome genauer beschreibe. Bei der Cerebralparese gibt es drei wesentliche Kombinationen von betroffenen Extremitäten:

a) Die Tetra- oder Quadriplegie: Alle vier Extremitäten sind betroffen.
b) Die Diplegie: Entweder die oberen oder die unteren Extremitäten sind betroffen. Manche Fachleute nennen die Diplegie auch
c) Paraplegie, was aber eher in Zusammenhang mit einer Querschnittslähmung verwendet wird und daher sich meist auf die unteren Extremitäten bezieht.
d) Die Hemiplegie: Halbseitenlähmung, die linken oder rechten Extremitäten sind betroffen.

Die Endung "-plegie" ist im Zusammenhang mit der Zerebralparese eigentlich falsch. Man sollte besser die Endung "-parese" anhängen, denn eine Plegie meint immer eine vollständige Läsion, eine Parese nicht. Daher wäre die Endung "-parese" besser angebracht; aus irgendwelchen Gründen (wahrscheinlich aus Gewohnheit) ziehen die Mediziner die Endung "-plegie" vor.

Auch hier kann man einen Menschen nur schwer ganz klar einordnen, es gibt ebenfalls Mischformen. Zum Beispiel gibt es Tetraplegiker, bei denen die linke Seite weniger stark betroffen ist als die rechte. Bei mir ist dies zum Beispiel der Fall.

Von den Bewegungsabläufen her kristallisieren sich wiederum drei für CP typische Gruppen heraus: Die Spasmen, die Athetosen und die Ataxien.

Die schweren Spastiker haben dauernd einen extrem hohen Muskeltonus, während die leichteren Spastiker ihren Tonus nur bei Erregung oder Stimulation bestimmter Muskeln oder Muskelgruppen erhöhen. Daraus kann man deutlich erkennen, dass jeder Spastiker hypertonisch ist, es gibt keinen hypotonischen Spastiker. Durch den erhöhten Muskeltonus wirken die Bewegungen steif, langsam und anstrengend. Es herrscht auch eine eingeschränkte Bewegung, die betroffene Extremität, das betroffene Gelenk kann nur um die Mittelstellung herum mobilisiert werden, was auf längere Sicht Folgen haben kann. Interessant ist auch, dass die Spasmen auch indirekt ausgelöst werden können. Wird ein Körperteil, welches nicht von Spasmen betroffen ist, aktiv bewegt, steigt automatisch auch der Tonus anderer Körperteile an und kann so in betroffenen Bereichen Spasmen auslösen. Diese Tatsache ist unter anderem auch in der Therapie von grosser Bedeutung. Will nämlich die Therapeutin / der Therapeut die Spasmen minimieren, um z.B. ein Gelenk passiv zu bewegen, muss er den Patienten so lagern, dass dieser möglichst wenig Energie zur Erhaltung seiner Position aufwenden muss. Der Sitz wäre somit ungeeignet, da die Stabilisierung des Rumpfes bereits wieder Spasmen auslösen könnten.

Im Gegensatz zu den Spastikern wirken die Athetotiker eher wild. Es fällt ihnen schwer, eine Bewegung fliessend auszuführen. Die gewollten Bewegungen sind immer durch diese ausfahrenden, ruckhaften Bewegungen gestört. Einem schwer athetotisch Behinderten fällt es auch schwer, sich in einer bestimmten Position (z.B. im Sitz) zu halten. Denn die kleinste Korrekturbewegung kann eine Athetose auslösen und ihn ganz aus der gewünschten Haltung bringen. Der Grund für Athetosen liegt im sich ständig ändernden Tonus. Er kann einen Muskel, meist ganze Muskelgruppen, von einer Sekunde auf die andere vom entspannten, schlaffen Zustand in den toal verkrampften bringen. Hierzu ein Beispiel: Ein Athetotiker will seinen Arm beugen. Er kontrahiert dazu die Beugemuskulatur (Flexoren) im Arm. Tritt nun eine Athetose ein, steigt der Tonus in den Flexoren massiv an, während die Antagonisten total gehemmt sind, d.h., die Streckmuskulatur (Extensoren) wird überhaupt nicht angespannt. Dieses Beispiel zeigt eine isolierte Athetose, die Athetose ist auf einen Körperbereich beschränkt. Vielfach reagieren aber nicht nur die Muskeln der die Athetose auslösenden Extremität, sondern gleichzeitig auch noch die Kopf-und Rumpfmuskulatur.

Ataxien kann man daran erkennen, dass die Bewegung in Kraft und Richtung nicht mit dem übereinstimmt, was das Kind ursprünglich wollte. Weil bei einer gezielten Bewegung die Richtung häufig nicht stimmt, wird sie langsamer und zittrig ausgeführt, um die Richtung zu korrigieren. Die Rumpfmuskulatur ist meist geschwächt, was dem Kind einen grossen Teil seiner Sicherheit in der Körperkontrolle nimmt. Es vermeidet daher unbekannte und ungeübte Bewegungen, woraus eine generelle Bewegungsarmut folgt. Diejenigen Kinder mit Ataxien, welche laufen können, stehen unter dauernder Angst, umzufallen. Sie versteifen sich daher stark, und vermeiden Drehbewegungen im Rumpf, um ihre ohnehin schon geringe Sicherheit nicht aufs Spiel zu setzen.

Daneben gibt es auch noch schlaffe Formen der Cerebralparese, sog. Hypotonien. Sie sind aber in den meisten Fällen nur vorübergehende Zustände im Säuglings- und Kleinkindalter. Die Babys haben schlaffe Körper, können den Kopf nicht halten und klappen beim Sitzen häufig zusammen. Aus den Hypotonien entwickeln sich später meist Athetosen und Ataxien, ganz selten spastische Formen.

Wie bereits erwähnt, ist der häufigste Fall die Mischform. Man findet nur schwer einen reinen Spastiker oder einen reinen Athetotiker. Eine ganz typische Mischform ist folgende: In den oberen Extremitäten dominiren die Flexoren - spastisch oder athetotisch - sowohl in den Armen als auch in den Händen, der Rumpf ist hypotonisch und in den unteren Extremitäten haben die Extensoren die Oberhand, wobei die Füsse im Gegensatz zu den Händen plantarflektiert sind. Dieses Muster gilt als das typischste und bekannteste CP-Muster überhaupt!


Orthopoint Dokumentationen Handicaps einfach erklärt | Benutzungsbedingungen
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 6 (1 Bewertung)