Aktive Armprothesen: Einzughände und Zweizughände

Einzughände und Zweizughände

Aktive Armprothese: Halten eines LöffelsAktive Armprothese: Halten eines LöffelsDie Bauweise aktiver Prothesen unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der passiver Armprothesen. Ihr Gewicht und Umfang ist größer. Mit der Anpassung einer aktiven Armprothese verbindet sich die Hoffnung, Greiforgane und das Ellenbogengelenk möglichst präzise steuern zu können. Zur Steuerung kann die eigene Muskelkraft oder eine fremde Energiequelle genutzt werden.

Bei Eigenkraftprothesen wird die Energie der Muskeln des Schultergürtels mit Bandagen und Kabelzügen auf die Hand-und Ellenbogengelenke der Armprothese übertragen. Die indirekte Kraftquelle Muskulatur ermöglicht eine Information über den Gegenstand, der mit der Prothese ergriffen wird. Die Muskeln übertragen als Sensoren die Informationen über Zug und Druck an das Gehirn. Informationen über die Größe und Härte des ergriffenen Materials können daher ohne Blickkontakt erkannt werden.

Aktive Eigenkraftprothesen (Hooks) für Unterarme lassen sich bezüglich der Greiffunktion (Fingerersatz) mit herkömmlichen Greifzangen vergleichen. Läßt sich die Greifzange aktiv öffnen und schließen, handelt es sich um eine Zweizughand. Läßt sie sich nur in einer Richtung aktiv verstellen und in die andere Richtung lediglich durch einen Federzug feststellen, handelt es sich um eine Einzughand. Die Greifbewegungen verlaufen jedoch nur auf einer Ebene.

Technikgeschichte: Aktive Armprothese. Historische Armprothese, ca. 1950Technikgeschichte: Aktive Armprothese. Historische Armprothese, ca. 1950Die Einzughand wird durch Muskelkraft aktiv durch Zug geöffnet. Geschlossen wird sie passiv durch eine eingebaute Feder. Die variable Greiffunktion entsteht durch den aktiven Zug und den passiven Gegendruck der Feder, der durch den aktiven Zug reguliert wird. Soll ein beliebiger Gegenstand festgehalten werden, muß ein ständiger Zug erfolgen. Denkbar ist jedoch auch ein Zusatzmodul, das die Greifvorrichtung in einer bestimmten Stellung hält und dazu den Zug an einer beliebigen Stelle durch Kabelzug blockiert.

Bei Zweizughänden wird über einen Kabelzug aktiv eine Greifvorichtung geschlossen oder geöffnet. Die Greifzangen lassen sich in der jeweils benötigten Stellung feststellen. Da jedoch die Verstellung nur über einen Kabelzug erfolgt und somit Öffnen und Schließen hintereinander erfolgt, dauert die passgenaue Einstellung des Hooks länger als bei der Einzughand.

Vom technischen Standpunkt aus betrachtet, können alle Teilglieder des Arms oder Hand ersetzt werden. Die Anzahl der verbliebenen Teilglieder entscheidet häufig über den Gebrauchswert der Armprothese.

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Orthopoint Dokumentationen Grundwissen Heil- und Hilfsmittel
Bearbeiter: Albrecht Marignoni, Stand: 05/2010
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