Fabian Rouwen: Fingeramputation

Fingeramputation

Von Fabian Rouwen

Bericht über die Amputation meines Zeige- und Mittelfingers

Auf meiner Suche im WWW habe ich bisher keine Berichte über das Leben mit einer Fingeramputation gefunden und möchte das hiermit ändern, damit falsche Vorstellungen oder Vorurteile durch Unwissenheit abgebaut werden und Menschen die ähnliches erfahren mussten vielleicht den Mut finden, das Leben optimistisch anzugehen. Das Leben kann nämlich auch mit acht Fingern toll sein.

Ich besitze nur noch 8 Finger. Zwei Finger habe ich bei einem Arbeitsunfall im Jahr 2000 verloren, nachdem meine Hand in einen Rollenquetscher (eine Art Mangel) geriet und von Zeige-und Mittelfinger nur noch die Knochen übrigblieben.

Für mich war die Nachricht, dass mein Zeige- und Mittelfinger amputiert werden mussten ein riesiger Schock. Die Ärzte meinten jedoch, dass sie nicht mehr zu retten wären. In den Tagen nach der Amputation hatte ich starke Schmerzen in der rechten Hand und ziemliche Probleme mich damit ab zu finden, dass sich mein ganzes Leben ändern würde. Dies wollte ich jedoch auf keinen Fall. Ich wollte weiterhin Badminton und Schlagzeug spielen, und mich in keiner Weise einschränken müssen. Dieser Wille und die gute Arbeit der Ärzte haben dazu geführt, dass ich heute (zwei Jahre nach der Amputation) ohne Einschränkungen mein Leben führe und ich möchte allen denen Ähnliches widerfahren ist ermutigen den Mut nicht zu verlieren.

Der Weg ist mühsam und oft auch schmerzhaft, aber er ist es wert. Mittlerweile mache ich nämlich nahezu alles wieder mit meiner rechten Hand. Ich weiß nicht, ob ich dies den Ärzten im St. Antonius Hospital in Eschweiler zu verdanken habe oder meinem Willen nichts an Lebensqualität einbüßen zu müssen. Wahrscheinlich beiden.

Am Tag nach der Amputation sagte mir eine Krankenschwester im Krankenhaus, dass ich meine Finger soviel wie möglich bewegen müsse, damit diese nicht steif würden. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mit größter Mühe und unter starken Schmerzen versucht die übrigen Finger zu bewegen, was relativ schwierig war, da die ganze Hand noch stark angeschwollen war. Das Ergebnis war, dass ich meine Fingerspitzen vielleicht einige mm hin und her bewegen konnte. Ich glaube heute, dass dies einer der wichtigsten Punkte bei der ganzen Behandlung war.

Am Anfang waren die Phantomschmerzen auch ziemlich heftig und der Schock hat sich in den folgende Wochen erst langsam durchgesetzt. Teilweise konnte ich Nächte nicht schlafen, da mir der Unfallhergang immer wieder durch den Kopf gegangen ist. Die Phantomschmerzen waren ziemlich stark und ich spürte ein andauerndes Kribbeln, Jucken und eine Art Mrennen. Diese Schmerzen sind jedoch im Laufe der Wochen und Monate immer schwächer geworden und mittlerweile habe ich sie kaum noch. Nur ab und zu verspürt man mal einen stechenden Schmerz oder ein Kribbeln in der Narbe, wenn das Wetter umschlägt.

Eine Woche nach der Amputation wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen und habe auch bald darauf angefangen mit der Ergotherapie in Marburg/Lahn. Hier wurde die Narbe desensibilisiert und die Bewegung der Finger gefördert. Während der folgenden Monate habe ich versucht, so viel wie möglich mit der rechten Hand zu machen. In dieser Zeit bemerkt man erst einmal was man alles mit der Hand macht und wie komplex manche Vorgänge doch sind. Angefangen vom Zähneputzen, übers Schnürsenkel binden und dem Abwasch habe ich meine Hand so oft es ging benutzt. Dies führte dazu, dass die Feinmotorik sich wesentlich verbessert hat und auch die Kraft in den Fingern wesentlich zunahm.

Nach ca. einem halben Jahr habe ich dann auch wieder angefangen Badminton zu spielen. Anfangs ging das überhaupt nicht, da ich noch nicht genügend Kraft in der Hand hatte den Schläger so fest zu halten, dass ich damit Bälle schlagen konnte. Jedoch mit links spielen wollte ich auch nicht. Daraufhin habe ich mir in der Ergotherapie eine Kunststoffprothese anfertigen lassen, womit ich den Schläger halten konnte. Diese war jedoch äußerst unbequem und das spielen damit hat auch nicht sonderlich gut funktioniert. Daraufhin habe ich den Griff des Schlägers verdickt und habe dann immer wieder versucht ohne Prothese zu spielen und das ging auch immer besser.

Ich glaube, dass ich jetzt besser spiele als vor dem Unfall. Also, wie man sieht kann man auch mit drei Fingern Badminton spielen. Seit einigen Wochen versuche ich mich am Bogenschießen, was auch ziemlich gut klappt. (und das obwohl die Franzosen den englischen Bogenschützen im Mittelalter genau diese beiden Finger abgeschnitten hatten, wenn sie die Gelegenheit dazu hatten, damit sie nicht mehr mit Bögen schießen konnten. Daher auch das Victory-Zeichen ("Ich habe sie noch") Ebenfalls spiele ich weiterhin Schlagzeug, und tue auch sonst alles ganz normal weiter. Meistens denke ich gar nicht mehr daran, dass mir zwei Finger fehlen und dann wundere ich mich, wenn ich auf meine Hand schaue und es fehlen zwei Finger. Ich habe ja auch immer noch das Gefühl dass die beiden Finger vorhanden sind.

Was man absolut nicht tun sollte, ist versuchen, die Hand zu verstecken und sich von der Außenwelt ab zu kapseln. Sicher, die Hand ist nicht mehr so hübsch wie vorher, aber wenn man sie ganz normal benutzt, fällt es den meisten Leuten nicht einmal auf, dass etwas anders ist. Mir ist es passiert, dass jemand mich fragte warum ich den Kuli so komisch halten würde. Sie hat gar nicht gemerkt, dass mir zwei Finger fehlten oder Gegner beim Badminton, die mehrere Male gegen mich gespielt haben, und denen dann irgendwann aufgefallen ist, dass mir Finger fehlen. Wenn man aber versucht die Hand zu verstecken fällt das wesentlich stärker auf.

Falls Ihr Fragen an mich habt, so sprecht mich darauf an oder schreibt mir doch einfach eine Mail. Ich möchte gerne dazu beitragen, dass Unwissenheit abgebaut wird und auch andere Menschen nach einem solchen Unfall ein ganz normales Leben weiterführen können.

Fabian Rouwen´s Website:
http://mitglied.lycos.de/kiere/amputation.htm


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Verfasser: Fabian Rouwen
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