Mensch und Prothese

Technik-und Medizingeschichte der Prothesen

Kriege waren die Motoren der Prothesenentwicklung. Bekannt wurde Ritter Götz von Berlichingen, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts nicht nur durch seine wenig vornehme Ausdrucksweise auffiel, sondern dessen aus Eisen selbst hergestellter Unterarm vermutlich zusätzlich Schutz vor Säbelhieben gewährte. Während und nach den beiden Weltkriegen hatten Mediziner und Orthopädietechniker bessere Operationsverfahren und Prothesen entwickelt. Etwa Ferdinand Sauerbruch, der eine Armprothese erfand, die durch Impulsableitung aus noch bestehenden Muskeln gesteuert werden konnte. In den 70er Jahren versuchten Mediziner und Orthopädietechniker den durch Thaliomid geschädigten Kindern, Prothesen zur Verfügung zu stellen. Die Kinder akzeptierten die Prothesen weniger und verließen sich auf ihre natürlichen Kompensationsfähigkeiten. Die Verwendung von neuen Materialien wie z. B. Carbon, Silikon, Titan, der Mikroelektronik und CAD gestützter Abformtechniken des Stumpfes ermöglichen heute leichtere und schnellere Ausstattungen mit Prothesen. Seit einigen Jahren experimentieren Wissenschaftler mit bionischen Antriebselementen für myoelektrische Armprothesen.

Prothese: Anpassung

Nur eine enge Zusammenarbeit der Mediziner, Techniker, Therapeuten mit dem zukünftigen Benutzer bei Planung, Entwicklung und ersten Anpassung einer neuen Prothese, ermöglicht die optimale Nutzung des Ersatzstückes. Im Rahmen der Erstrehabilitation findet die erstmalige Ausstattung statt. Soweit der Mensch mit einer gerade erfolgten Amputation dazu in der Lage ist, sollte er sich möglichst unabhängig mit den unterschiedlichen Prothesensystemen vertraut machen. Nur mit einigen Kenntnissen, kann er ein bestimmendes Mitglied seines Rehabilitationsteams werden.

Ein guter Operateur wird dafür gesorgt haben, daß nur unbedingt notwendige Bereiche eines Gliedes entfernt wurden. Außerdem hat er für eine sinnvolle Stumpfausprägung gesorgt. Ob eine Prothese getragen werden kann, richtet sich nach dem Zustand des Stumpfes. Wenn zu viele Sehnen und Knorpel im Rest des Gliedes beschädigt sind oder die Durchblutung gestört ist, wird aller Erfahrung nach, ein Mediziner und Orthopädietechniker empfehlen, auf das Tragen einer Prothese zu verzichten.

Prothese: Gewicht und Ausstattung

Das Gewicht und der Tragekomfort der Prothese richtet sich nach dem zu ihrem Bau verwendeten Material (Holz, Carbon, Polyethylen, Titan, Stahl) und der Anzahl der Gelenke, die von der Prothese ersetzt werden sollen. Prothesen mit einem Beckenkorb, Hüftgelenk, Kniegelenk und Fuß nach Hüftdisartikulation (Amputation des Beines und der Hüfte) besitzen ein hohes Gewicht als eine Unterschenkelprothese.

Nur das Wissen und die Erfahrung des Rehabilitationsteams einschließlich des Patienten, garantieren eine optimale Ausstattung mit Prothesen. Dazu gehört auch die Verwendung modernster Materialien und Fertigungstechniken. Der zukünftige Träger einer Prothese sollte sich Gedanken machen, wofür er sie nutzen möchte. Sportprothesen, Arbeitshände, Schmuckprothesen (Arme mit wenig oder keiner Funktion) ermöglichen theoretisch einen unbegrenzten Einsatz. Prothesen werden individuell nach biomechanischen und physikalischen Gesichtspunkten hergestellt.

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Orthopoint Dokumentationen Grundwissen Heil- und Hilfsmittel
Bearbeiter: Albrecht Marignoni, Stand: 05/2010
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