Orthesen sind Schienen für den menschlichen Körper. Orthesen können zahlreiche unterstützende Aufgaben erfüllen. Orthesen werden meist an einem Gipsmodell des Körperteils gefertigt, für die sie bestimmt sind. Dabei dient der Abdruck vom Körper als Negativ und das daraus entstehende Modell als Positiv. Unberücksichtigt von der Darstellung bleiben hier Orthesen für Sportler nach Operationen und zur Heilung von Brüchen. Lähmungsorthesen, Entlastungsorthesen und Rumpforthesen werden häufig von Menschen mit Körperbehinderungen getragen. Zu Orthesen gehören außerdem Mieder, Leibbinden, Bandagen und Einlagen.
Die aus Carbon, Plastik, Leder, Titan und Orthopädiestahl gefertigten Heil-und Hilfsmittel bedeuten für den Benutzer sowohl eine Belastung als aber auch Unterstützung. Immerhin handelt es sich um einen Fremdkörper, dessen Wirkung auf den oder die Trägerin auch von der eigenen Tagesform abhängig ist. Die Herstellung der Orthesen ist in Deutschland besonders teuer. Die Herstellung der Orthese wird auch heute noch zum größten Teil in Handarbeit geleistet. Daher erklärt sich der hohe Preis. Je nach Größe kommen auf den Versicherten Kosten zwischen 300 und 6000 Euro zu. Nach ihrer Fertigstellung landen immer noch zu viele Heil-und Hilfsmittel auf dem Dachboden oder im Keller des Benutzers. Dieser Mißstand ist allen Beteiligten am Gesundheitswesen anzulasten. Die Qualität und somit die Benutzbarkeit der Orthese ist abhängig von der Mitwirkung des späteren Benutzers, der fachlichen Qualifikation und noch mehr der Erfahrung des Orthopädietechnikers.
Orthesen unterliegen den Naturgesetzen der Biomechanik. Biomechanik ist ein Wissenschaftsbereich, der sich mit der Wirkung technischer Heil-und Hilfsmittel auf menschliche Haltungs-und Bewegungsabläufe beschäftigt. In den letzten Jahren hat die Entwicklung neuer Operationsverfahren dazu geführt, daß Menschen mit Orthesen immer seltener konfrontiert werden. Z.B. kann bei einer Lähmung, die nur in einem Bein vorliegt, eine operative Versteifung des Kniegelenks die Funktion einer Schiene ersetzen. Bei Lähmungen eines Armes werden schon seit längerer Zeit Operationen durchgeführt, die den Ellenbogen und somit auch die Hand in der Gebrauchsstellung hält. Eine Schiene könnte ebenfalls den gewünschten Effekt erzielen. Die Frage, ob eine bestimmt Operation durchgeführt werden soll oder Schienen hilfreicher sind, ist eine Abwägung zwischen konservativer und operativer Behandlung, die hier nicht diskutiert werden soll.
Die unübersehbare Vielzahl unterschiedlicher Orthesenarten erfüllen hauptsächlich folgende Funktionen:
a) Sperrung von Gelenken: (z. B. bei Beinlähmungen das Kniegelenk)
b) Entlastung (z. B. Hüftgelenk)
c) Gelenkführung (z.B. Gelenkführung durch Schienengelenke. Das natürliche Gelenk wird an der Einnahme einer bestimmten Stellung gehindert)
d) Wuchstumslenkung (z.B. Korsetts für Kinder und junge Jugendliche in der Wachstumsphase bei Skoliose)
e) Lagerung (Lagerungsschienen können Kontrakturen verhindern)
Funktionell weniger hilfreich sind Schienen beim Vorliegen von Spastik. Durch den Druck auf die Haut kann gerade durch Schienen die Spastik verstärkt werden. Grundsätzlich gilt bei Neuversorgung so wenig Schiene und so viel Schiene wie möglich. Eine Gipsabnahme für Beinorthesen sollte am späten Nachmittag oder Abend erfolgen, da die Beine dann stärker durchblutet und daher dicker sind.
Mehr Informationen im Orthopoint: Lehrsammlung Heil- und Hilfsmittel