Rollstühle: Grundlagen der Rollstuhltechnik

Rollstuhltechnik

Die folgenden Erläuterungen zum Thema Rollstuhl beziehen sich nicht auf Rollstühle, die lediglich für eine kurze Zeit benutzt werden (chromfarbene Krankenfahrstühle).

Der Rollstuhl ist das Symbol für Krankheit und Behinderung. Der Rollstuhl kann jedoch auch als modisches Accessoire die Persönlichkeit seines Benutzers unterstreichen. Er ist z.B. für Leute mit Querschnittlähmung ein zweites Paar Schuh.

Seit den 70er Jahren lassen sich Rollstühle auf die Maße ihrer Benutzer um ein bis zwei Zentimeter genau anpassen. Die Anpassung an die anatomischen Voraussetzungen des Benutzers ermöglichen es ihm, mit weniger Kraftaufwand und somit schneller zu fahren. Unterschiedliche Reifenarten ermöglichen eine optimale Anpassung an vorherrschende Bodenverhältnisse. Einige Rollstühle werden aus Titan, einem leichten Metall, hergestellt.

Rollstühle können leicht transportiert werden. Sie lassen sich in der Mitte zusammenklappen. Bei anderen Rollstühlen können die Rückenlehnen nach vorne geklappt werden (dadurch entsteht ein kleines Paket). Die unterschiedlichen Faltmechanismen sind begründet in den verwendeten Achsenformen. Ein Rollstuhl, der in der Mitte faltbar ist, verfügt über zwei Achsen. Ein Rollstuhl, dessen Rückenlehne lediglich nach vorne faltbar ist, verfügt über eine durchgehende Achse. Rollstühle mit durchgehenden Achsen sind meist leichter. Sportrollstühle verfügen ebenfalls über eine durchgehende Achse. Ein Rollstuhl mit einer Achse wird von der deutschen Krankenkasse AOK als "Aktivrollstuhl" bezeichnet.

Während die Rollstühle mit durchgehenden Achsen eine bessere Fahreigenschaft besitzen, lassen sie sich weniger gut vom Benutzer selbständig im eigenen Auto verstauen. Bei beiden Rollstuhlarten lassen sich die Hinterräder durch Steckachsen leicht abnehmen.

Mit etwas Übung, Gleichgewichtssinn und uneingeschränkt nutzbaren Händen und Armen können durch die Ausnutzung der physikalischen Eigenschaften des Rollstuhls auf den Hinterrädern Hindernisse (z.B. niedrige Bordsteinkanten) leicht überwunden werden. Durch Gewichtsverlagerung des Körpers kann der Rollstuhl einhändig gesteuert werden. Voraussetzung für die optimale Übersetzung der Kraft auf die Greifreifen ist eine optimal angepaßte Sitzbreite an den Benutzer. Ist der Sitz des Rollstuhls in der Breite zu groß, verliert der Benutzer seine Antriebskraft.

Als praktisch haben sich in der Höhe verstellbare Schiebegriffe erwiesen. Sie lassen sich auf die Bedürfnisse eines Begleiters des Benutzers eines Rollstuhls anpassen.

Rollstuhlbenutzer, die ihre Arme und Hände uneingeschränkt benutzen können, benötigen keinen elektrischen Anschub vor oder unter dem Rollstuhl.

Die Hersteller bieten eine unübersichtliche Menge an zusätzlichen Ausstattungen an. Jedes Gramm zusätzlicher Ausstattung erhöht das Gewicht des Rollstuhls. Dadurch steigt der nötige Kraftaufwand zum Fahren.

Rollstühle sollten vor dem Kauf mehrere Tage ausprobiert werden. Alle Modelle haben ein unterschiedliches Fahrverhalten. Sie kosten in der EU zwischen 1500 und 3000 Euro. Rollstühle kosten in den USA weniger. In der BRD, Schweiz und Österreich ist es den Herstellern bisher nicht möglich, Rollstühle direkt zu verkaufen. Orthopädietechnische Fachbetriebe sind Zwischenhändler.

Derzeit übernehmen die öffentlichen Krankenkassen in Deutschland noch die Bezahlung der meisten Rollstuhlmodelle. Notwendige Korrekturen im Gesundheitswesen werden jedoch dazu führen, daß ihre Mitglieder höhere Zuzahlungen leisten werden müssen. Rollstühle sind anders als Medikamente nicht verschreibungspflichtig und können käuflich frei erworben werden.

Rollstühle eines schweizerischen und deutschen Herstellers können im Museum of Modern Art in New York besichtigt werden. Ihr Design ist Vorbild für fast alle Modelle aus Nordamerika und Europa.

Mehr Informationen im Orthopoint:

Rollstuhlanpassung und Einstellung unter besonderer Berücksichtigung querschnittgelähmter Rollstuhlfahrer.
Orthopoint Handbuch, Band 4
Kurzbeschreibung: Wichtigste Voraussetzung für eine uneingeschränkte Mobilität ist ein gut angepasster und eingestellter Rollstuhl. Die Sitzbreite, Sitztiefe und die Höhe der Rückenlehne richten sich nach den anatomischen Gegebenheiten des Benutzers des Rollstuhls. Sie können auf die Bedürfnisse des Benutzers bis auf wenige Zentimeter genau angepasst werden. Eine gute Wartung des Rollstuhls trägt ebenfalls zum Erhalt der Mobilität mit dem Rollstuhl bei. Fahrtechniken mit dem Rollstuhl können in Seminaren erlernt werden.
Verfasser: Albrecht Marignoni
2. Version 10/2012
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Lehrsammlung Heil- und Hilfsmittel


Orthopoint Dokumentationen Grundwissen Heil- und Hilfsmittel
Bearbeiter: Albrecht Marignoni, Stand: 05/2010
Benutzungsbedingungen im Bereich "Über Uns"
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