Erfahrungen mit einer Beinamputation
"Ich möchte soviel Geld verdienen, daß ich auf meine Krankenkasse nicht mehr angewiesen bin."
Erfahrungen mit einer Beinamputation
Als ich in der 12. Klasse war, brach ich mir zwei Tage vor Weihnachten beim Skilaufen mein Fußgelenk, deshalb mußte ich einen Gips tragen. Eine Woche später rutschte ich mit meinem Gipsfuß aus, dabei brach mein linker Oberschenkel. Er mußte operiert werden. Leider entzündete sich die Narbe, die Entzündung breitete sich auf die Hüftknochen und ein Teil des Beckens aus. Das Bein mußte ab. Weil ich ein Medikament während der OP nicht vertrug, nahmen meine beiden Innenohren Schaden. Er erwies sich als wenig reparabel. Auf einem Ohr taub, (mit dem anderen Ohr kann ich nur noch 50% hören) ging es in die Reha.
Noch zwei Jahre nach meiner Amputation vergaß ich oft, daß mein Bein weg war. Ohne Prothese führte das zu einigen unangenehmen Stürzen. Sie blieben jedoch ohne weitere Folgen. Ich lernte das Mundablesen und kam anfangs in der Universität nur langsam mit. Ich bin jetzt 29 jahre alt und bin im Examen (Betriebwirtschaftslehre). Ich habe seit zwei Jahren eine Partnerschaft.
Wenn ich mich im Spiegel betrachte, glaube ich, daß das Bein, das ich noch habe sonderbar dick ist und eigentlich gar nicht zu mir passt. Außerdem gefällt mir meine OP - Narbe nicht.
Was ich nicht mag, sind neugierige oder mitleidige Blicke auf der Straße von Passanten, aber es gibt auch anerkennende und freundliche Blicke, über die freue ich mich. Ich mag keine Behinderten, die sich gehen lassen, oder auf den Staat warten bis der etwas für sie tut. Ich möchte so viel Geld verdienen, daß ich auf meine Krankenkasse nicht mehr angewiesen bin und mir den Ärger ersparen kann. Ich glaube, daß vielen Menschen mit einer Behinderung ihre Wehleidigkeit im Wege steht.
Birgitt
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