Bachelorarbeit Prothesen

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Patrizia Behm
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Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Behm Patrizia und ich studiere im Herbst das 5. Semester Ergotherapie.

Ich recherchiere gerade für mein Bachelorthema "Inwiefern wirken sich myoelektrische Armprothesen nach Amputationen auf die soziale Interaktion aus?" (der Titel ist noch nicht vollständig fertig

Haben Sie Studien, die sich mit dem Thema Prothesen und der Auswirkung auf soziale Interaktion, Beziehungen, Selbstbild, Alltag oder ähnlichem befassen?

Ich bin dankbar für jeden Tipp.

Es würde meine Arbeit sehr bereichern und mir als Studentin weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen,

Behm Patrizia

swisswuff
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Soziale Interaktionen

Hier stören Auffälligkeiten. Das laute Geräusch einer Prothese [2] wie das iLimb etwa in Meetings / Besprechungen ist ein sozial gesehen absolutes No Go. Meine kabel-gesteuerte Eigenkraftprothese mit Hand und Kosmetikhandschuh hat hingegen schon sehr gut unauffällig die Behinderung versteckt und gleichzeitig gute Hilfe geleistet. Wenn es denn Auffälligkeiten sein sollen, dann angenehme Auffälligkeiten, aber die bieten Prothesen meist nicht einfach so.

Hierzu gibt es eine recht neu Studie, aber was hier eine Rolle spielt ist nicht ob es eine myoelektrische oder mechanische Prothese ist, sondern wie sie aussieht. Das wird natuerlich sehr gerne verwechselt und durcheinander gebracht. Umgekehrt verkaufen weder Otto Bock noch sonst jemand, der sein Geld mit myoelektrischen Prothesen verdient, "cool" aussehende mechanische Prothesenhaende da diese das extrem eintraegliche Geschaeft ruinieren wuerden.

Daher wird "cool" gerne mit "myoelektrisch" gleichgesetzt obschon im Grunde bei neuen """bionischen""" Haenden lediglich das Aussehen, nicht aber Haltbarkeit, Lebensdauer, Gebrauchswert, Gewicht oder Preis cool sind. Ich kann diese Studie suchen, sie ist bislang meines Wissens nirgends im Internet zugaenglich.

Beziehungen

Hier spielt nach kurzer Kennenlernphase die Prothese rasch eine extrem untergeordnete Rolle. Vor allem stört sie, wenn sie kaputtgeht [2]. Das braucht immer Zeit, ist sehr ärgerlich und meist doch vorhersehbar. -- Für gemeinsame Tätigkeiten in der Öffentlichkeit ist mir das Verstecken der Behinderung oft wichtig, da ist v.a. die Kosmetik wichtig. Oder es ist gleichermassen wichtig, im Privatleben von der staendigen Belastung durch die Prothese Abstand zu nehmen, die Haut trocknen zu lassen, und gar keine Prothese zu tragen. Insofern benoetigt eine Beziehung stets die Faehigkeit der anderen Person, mit diesen Umstaenden umzugehen (wogegen die myoelektrische Prothese an sich wirklich ein Nicht-Thema ist).

Aber auch hier gehen die Meinungen bei Damenbekanntschaften weit auseinander - die eine mag es rot und knallig, die nächste bevorzugt den Metall-Hook, wieder eine mags lieber ganz ohne Prothese, andere ziehen den Passiv-/Kosmetikarm vor. Dass jemand gesagt hätte, ich bräuchte einen noch adaptiveren Griff als die Beckerhand, ist mir noch gar nie passiert.

Üblicherweise ist es ein Problem, wenn eine Prothese - wie Laptop der Smartphone - allzugrosse Aufmerksamkeit und Zuwendung erfordert. Zunehmend stelle ich auch bei mir selbst eine Irritation, eine Intoleranz gegenüber stetig wiederkehrendes Babysitting von Prothesenteilen fest - denn: sozial gesehen bin ich sowieso klassifiziert als "behindert", daran ändert auch ein unzuverlässiges Hilfsmittel nicht wirklich viel (siehe auch [2]).

Je weniger man dann die Prothese trägt, umso geübter wird man ohne Prothese, und je mehr man eine einfache zuverlässige Eigenkraftprothese trägt, umso besser wird man damit. Am Ende stört die Zeit, die man in das Babysitten unnötig komplizierter Prothesenteile verschwendet, am meisten.

Selbstbild

Da mich sowohl die (besonders bei frisch fehlender Hand) wirklich hässlichen Prothesen, bei deren Anblick ich unbesehen der Marke oder Art der Prothese fast in den Mülleimer gekotzt hätte, sowie auch das Aussehen des Armstumpfs, bei dessen längerem Ansehen mir ebenfalls immer noch etwas übel wird, beide eher stören, ist mein Selbstbild weder vom Stumpf noch der Prothese besonders abhängig. Es ist sicher angeschlagen und wird nicht durch Prothesengadgets besser. Die können sonst Spass machen, und wichtig sein - aber das Selbstbild hängt hier nicht davon ab.

Ich fand, dass viel Sport und Hobbies sonst, Erfolge aber auch bei der Arbeit, helfen können, ein Selbstbild zu verbessern. Das Abhängigmachen des Selbstbilds von einer bestimmten Prothese oder Aussehen der Prothese ist eine Falle, in die man gerade als ev. unreifer Mensch sowie auch in der Orientierungslosigkeit am Anfang gerne mal hineingerät, aber grundsätzlich finde ich dass mein Selbstbild dann besser wird, wenn ich Inhalte und Leute, Themen und Termine eher unabhängig von Prothese / Stumpf / Aussehen usw., betrachte. Ob ich eine heroische Umzugsaktion mit Kisten und Möbeln schleppen mit oder ohne Prothese mache, ist ganz und gar sekundär - wichtig ist, für mein Selbstbild, dass ich dort anpacke.

Dass das Selbstbild bei Sport (mit Ausnahme Bodybuilding) tatsaechlich besser ist (und ich mir das nicht nur einbilde) sowohl bei Frauen wie bei Maennern, kann dieser Studie (inkl. zitierter Artikel) entnommen werden [1]

Es gibt sicherlich Studien dazu, dass auch Leute mit plastisch rekonstruierten Händen mit Narben, Schmerzen und Funktionsverlust - wie Amputierte also - Probleme mit ihrem Selbstbild haben. Das Vorhandensein einer Prothesenhand mag bei gewissen Leuten das Selbstbild verbessern - tut es das aber, würde ich vorschlagen, dass man zusehen soll, dass sie ihr Selbstbild anders aufbauen.

Alltag

Im Alltag zählt für mich einerseits der praktische Aspekt und andererseits die Leistungsfähigkeit des unauffälligen Versteckens der Behinderung. Da ich mit dem Prothesentechniker meine Eigenkraftprothese jetzt über drei Jahre optimiert und verbessert haben, leistet diese erwartungsgemäss sehr robuste und zuverlässige Dienste. Ich habe einen Kosmetikarm u.a. für das Erscheinungsbild, die so gut ist, dass sie auch Ärzte auf wenige Meter Distanz nicht als Prothese erkennen. Meinen myoelektrischen Arm trage ich dagegen kaum, da er nicht sehr praktisch ist, und dafür arg schwer.

Damit eine Armprothese fuer mich zu einem teilweise voellig integrierten Koerperteil wird, muss sie extrem bequem, gewichts-maessig perfekt austariert, funktionell vollkommen zuverlaessig und von den Laengen-Verhaeltnissen sehr gut sein. Es darf also nicht ein unbequemer Schaft sein (wie bei meiner myoelektrischen Prothesen der ueber den Ellbogen bei mir flaechige Hautunterblutungen und sehr sehr starke Schmerzen verursachende Muenster-Hart-Schaft), es darf keine Ueberlaenge der Prothese entstehen (wie bei Verwendung zu grosser Handgelenke bei mir), es darf keine schwere Hand/Handgelenk-Kombination sein, das Handgelenk sollte zuverlaessig laufen und einrasten, die Hooks oder Haende muessen zuverlaessig und praezise sein, die Kabelzuege mussen leicht laufen und der Schultergurt muss bequem und breit aufliegen. Also, mein Karbonfaserarm mit extrem leichter und robuster Haltestahl-Handgelenkskonstruktion mit Schnellverschluss, Hook oder Beckerhand, mit Hightech-Bowdenzug u.a. mit vorgeschmierten Kabelhuellen und Gleitgurtaufhaengung brauchte etwa 3 Jahre bis wir alles beisammen hatten; das Ding laesst mich tatsaechlich die Anwesenheit der Prothese teils vollkommen vergessen. Dann verschwimmt die Grenze der Prothese zum Koerperteil und sie wird echter Teil des Alltags (statt wie sonst immer, stoerender Aerger im ansonsten normalen Alltag). Erst wenn der Gebrauchs-Wert auch was Gewicht, Laufdauer, Zuverlaessigkeit usw. einen gewissen Umfang *ueber*schreitet kann man die Prothese so einsetzen, dass sie wie eine Art geistig "anwaechst". Erst dann kommt man in den Anwendungsbereich, wo die Prothese tatasechlich hilft, Asymmetrie zu verbessern und man lernt Reaktionen, schnelle Reaktionen, oder neue Tricks. Dazu aber muessen die Komponenten sehr stabil und gut ausgesucht sein, und ich kann eine Reihe von Herstellern aufzaehlen und entsprechende Erfahrungen berichten, die das hinbekommen oder eben auch gar nicht. Ansonsten besteht das Risiko, dass die myoelektrische Prothese mehr Drama als Alltag ist, und damit hat die Industrie eben wider mal nichts erreicht.

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[1]
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1471-6402.2000.tb00200.x/ab...

@article {PWQU:PWQU189,
author = {Richman, Erin L. and Shaffer, David R.},
title = {“IF YOU LET ME PLAY SPORTS”},
journal = {Psychology of Women Quarterly},
volume = {24},
number = {2},
publisher = {Blackwell Publishing Ltd},
issn = {1471-6402},
url = {http://dx.doi.org/10.1111/j.1471-6402.2000.tb00200.x},
doi = {10.1111/j.1471-6402.2000.tb00200.x},
pages = {189--199},
year = {2000},
}

[2]
http://hpq.sagepub.com/content/6/1/85

@article{Gallagher01012001,
author = {Gallagher, Pamela and Maclachlan, Malcolm},
title = {Adjustment to an Artificial Limb: A Qualitative Perspective},
volume = {6},
number = {1},
pages = {85-100},
year = {2001},
doi = {10.1177/135910530100600107},
abstract ={The purpose of this study was to identify factors considered to be important in the adjustment to amputation and the wearing of a prosthetic limb from the perspective of the person who has had a lower limb amputation. Hence, focus group methodology was employed as a means of acquiring perspectives within a population of young adults who had a lower limb amputation. Preliminary thematic analysis revealed that factors such as self-image, social, physical and practical concerns, the meaning attributed to and the acceptance of the amputation and support among others were important in the adjustment process. These findings have substantial implications for directing future research.},
URL = {http://hpq.sagepub.com/content/6/1/85.abstract},
eprint = {http://hpq.sagepub.com/content/6/1/85.full.pdf+html},
journal = {Journal of Health Psychology}
}

swisswuff
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Hallo Patrizia

Inzwischen sind 2 Monate vorbei.

Koennen wir die Arbeit irgendwo sehen, bestellen, lesen?

Danke!

Wolf.

swisswuff
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Hallo Patrizia

Inzwischen sind 4 Monate vorbei.

Koennen wir die Arbeit irgendwo sehen, bestellen, lesen?

Danke!

Wolf.

swisswuff
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Hallo Patrizia

Inzwischen sind etwa 6 Monate vorbei.

Koennen wir die Arbeit irgendwo sehen, bestellen, lesen?

Danke!

Wolf.