Kliniken als Preistreiber
Kliniken als Preistreiber im Gesundheitswesen
Ein Zwischenruf von Albrecht Marignoni, Orthopoint
[Orthopoint Magazin – Kommentar] Allem Anschein nach geht es den Mitarbeitern im Gesundheitswesen, das sind Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, an den Kragen. Kaum ein Tag vergeht, da vernimmt der aufmerksame Zeitungsleser eine Klageflut über leere Kassen, Ärzte, die trotz höchster Einkommen über zu viele Überstunden klagen und überforderte Krankenschwestern. Für Besserung soll nun der Steuerzahler aufkommen, der z.B. den Kliniken vor einigen Tagen 3,9 Milliarden Euro zugesprochen hat.
Dabei geht es den Deutschen objektiv besser als den Menschen in Nordafrika und Osteuropa. Der Gesundheitszustand der Nordeuropäer, Spanier und sogar der Italiener ist allerdings noch besser, trotzdem in deren Gesundheitssystemen wesentlich weniger Geld zirkuliert als im dritt teuersten Gesundheitswesen der Welt.
Gesundheitsexperten weisen seit Jahren darauf hin, dass die Anzahl der Krankenhäuser korreliert mit der Zahl von Krankenhauseinweisungen. Je mehr Krankenhäuser in einem Gesundheitssystem vorhanden sind, desto höher ist die Zahl der Personen, die in den Krankenhäusern behandelt werden. Nun wäre es natürlich zu einfach, pauschal die Verringerung insbesondere der von den Gemeinden getragenen Krankenhäusern zu fordern. Schnell würde die Anbieterseite von Leistungen im Gesundheitswesen neue Geschäftsmodelle finden, mit denen sie Mehrwert schöpfen würden. Da kommt ein Rat aus Brüssel gerade zur rechten Zeit. In einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ forderte die EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou den Umbau überzähliger Allgemeinkrankenhäuser zu Zentren für Spezialbehandlungen, „Spezialbehandlungen, die teure und hochmoderne Geräte erforderten, müssten nicht von jedem Krankenhaus angeboten werden“.
Der Umbau der deutschen Krankenhauslandschaft wäre teuer, allerdings mit einem ungeahnten Einsparungspotential in der Zukunft. Dieser erfordert Mut und Sinn für Rationalisierung im Gesundheitswesen. Beides fehlt derzeit den Berliner Akteuren. Der Steuerzahler wird es schultern müssen.
delicious
mrwong
taggle
yigg
google