Von Deafdirk
Ich hatte als Baby chronische Mittelohrentzüdung auf beiden Ohren, war dadurch unwissentlich erst leicht schwerhörig (Eltern bemerkten es nicht), dann wurde es in der Jugendzeit so mit 25 Jahren immer schlechter, dann sind wohl meine Hörnerven langsam immer mehr kaputt gegangen und meine Ohren wurden langsam richtig schwerhörig, heute, 20 Jahre später, höre ich nur noch 10%, ich höre erst so ab 100 dB, ich trage sehr starke Hörgeräte in beiden Ohren. Ich frage heute oft nach, und das muss dann wiederholt werden, ich kann spontan antworten, aber muss häufig erst überlegen, was die anderen gesagt haben könnten, denn trotz Nachfragens und Wiederholens kann ich nicht immer auch alles gleich verstehen. Hörbehinderung isoliert sehr von der Gemeinschaft.
Besonders schlimm ist das, wenn man sich mir nicht zuwendet, der Mund verdeckt ist, mehrere auf einmal sprechen oder ich von lauten und störenden Geräuschen umgeben bin.
Wozu ich dann überhaupt Hörgeräte trage? Das ist eine gute Frage! Das fragen mich auch viele, mein Ohrenarzt und mein Hörgeräteakustiker können dies sicher besser erklären, weil sie dazu die Fachleute sind. Mir geht es aber so, dass ich mit Hörgeräten wenigstens etwas hören kann, denn ohne Apparate bin ich stock taub! Dennoch können Hörgeräte kein gesundes Gehör ersetzen, die verstärken nämlich nicht nur die Sprache, sondern ebenso alle anderen Geräusche. Das Hören mit Hörgeräten erfordert daher viel Übung und Training. Um zu merken, dass jemand an der Tür klingelt oder ein Fax kommt, habe ich eine Lichtsignalanlage.
Viele Menschen meinen, dann könnte ich mir doch wenigstens mehr Mühe geben, sie zu verstehen. Als ob ich mich nicht schon genug anstrengen muss! Ich beobachte mein Gegenüber sehr genau, schau ihn konzentriert an und versuche, von seinen Lippenbewegungen abzulesen. Das gelingt umso besser, je besser die Bedingungen hierfür sind. Mein Gesprächspartner darf nicht im Dunkeln stehen, er sollte mir zugewandt sein, und Licht muss auf sein Gesicht fallen. Er muss langsam und deutlich sprechen. Lautstärke ist dabei ebenso wenig gefragt wie überbetonte Lippenbewegungen.
Mich strengt die Beobachtung und Konzentration immer sehr an, vor allem bei Menschen, die ich bislang nicht kannte. So passiert es dann schon mal, dass es Missverständnisse gibt, weil ich kurz nicht aufgepasst habe, abgelenkt war oder sich die Bedingungen geändert haben. So wie jeder Hörende sich an den Umgang mit einem gehörlosen Menschen gewöhnen muss, so muss ich mich an jedes neue Mundbild und an die häufig wechselnden Gesprächssituationen gewöhnen. Ich selbst möchte immer gern alles und das auch richtig verstehen. Es ist für mich nur leider unheimlich schwer, anstrengend und gelingt eben nicht immer.
Ein bisschen Nachsicht und Entgegenkommen sollte man in einer solch schwierigen Situation schon erwarten dürfen. Das betrifft gleichermaßen Kinder wie Erwachsene. Selbst wenn diese es nicht immer böse meinen und vielleicht überfordert sind, weil sie die Probleme Gehörloser nicht kennen.