Ausgabe 16.01.01

Archiv Orthopoint Newsletter "netsprint"

Ausgabe 16.01.01

1. Editorial
Mitte Dezember Hysterie nicht nur am "Neuen Markt" in Frankfurt/M..

Der Schreiberling einer Zeitschrift für Menschen mit einem Handicap erkennt, dass sich finstere Mächte des WWW bemächtigen. Geheimdienste spionierten Websites aus. In der Email eines Selbsthilfevereins fand sich die Warnung vor Adressenhändlern. Sie würden die Versandmöglichkeit von digitalen Postkarten skrupellos zum Adessensammeln ausnutzen. Seine Empfehlung: Weihnachtskarten nur per "Gelbe Post" verschicken.

Ernsthafter aber nicht erfreulicher die Januarausgabe der Fachzeitschrift "Internet World" Internetworld.de:

Auf Ihrer Titelseite reißerisch die Überschrift die "Dotcom-Krise" und ein paar Hinweise auf Pech und Pleiten hoffnungsvoller .com´s (sprich dot com´s). Zur Hysterie tragen nicht nur reißerisch aufgemachte Zeitungsartikel bei. Allzuviele Laien, selbsternannte Moralhüter und Wichtigtuer, scheinen derzeit die Szene zu beherrschen. Ob hier der Versuch einer "Gegenrevolution" erkennbar ist? Hingegen steht die New Economy und besonders die Telematik derzeit noch am Anfang. Irrungen und Wirrungen sind deshalb noch erlaubt.

Trotzdem viel Spaß beim Lesen Albrecht Marignoni

2. eCharity
Nicht nur Webpublishing-Communities gehören zur Netzkultur, sondern auch eCharity. eCahrity gewinnt derzeit in den USA immer größere Bedeutung. Erstmals war dort das Spendenaufkommen über das Netz größer als durch herkömmliche Kanäle.

Volker Ritter ist Orthopädietechniker und Webmaster von www. angolaaid. de. Seine Mission ist Hilfe für Minenopfer des langen Bürgerkrieges in Angola. Seine Website, eine www-Anwendung, an der sich viele Homepagebastler eine große Schnitte abschneiden könnten.

eCharity-Websites versprechen mehr Aufmerksamkeit als kurze Nachrichtenberichte über Hungersnöte oder Umweltkatastrophen. Multimediale Anwendungen vermitteln einen intensiveren Eindruck über menschliches Leid.

Angolaaid.de bietet zahlreiche Informationen über Afrika und natürlich Angola.

3. orthoPoint.com Update
Neu im orthoPoint.com:
- Service: Link des Monats und der Ort, an dem
Nutzer andere Nutzer um Rat und Hilfe nachfragen
können
- 4 neue Mailing Listen:
gehbehinderten-info, epithesen und die epilepsie-
list
- Neue Einträge in life Line (Lebenserfahrungen)
Außerdem haben wir neue Vorstellungen von
Mitgliedern in unseren Mailing Listen veröffentlicht.

4. Pseudonyme
Mein Freund Karl war mir böse. Er hatte mich mehrere Monate nicht mehr gesprochen. Als er mich anrief und erfreut ein Update über seine Verhältnisse geben wollte, merkte er, dass ich schon fast alles wußte.

Woher wußte ich, dass er sein Auto verkaufen wollte, er seine Partnerschaft aufgelöst hatte? Natürlich aus dem WWW. Wenn Sie viel in Foren schreiben und reichlich einkaufen im WWW, geben Sie mal Ihre Internetadresse in diverse Suchmaschinen ein und sehen nach, was sich dort über sie so nachlesen lässt.

Sie können verhindern, das böse Leute fremde Informationen zusammenstellen und dann nutzen.
Die Netzsoziologie unterscheidet zwischen
Rollen-Pseudonymen
und
Personen-Pseudonymen.
Rollen-Pseudonyme sind unterschiedliche Emailadressen, die Sie bei unterschiedlichen Aktionen im WWW benutzen können. So können Sie für alle Einkäufe ein Pseudonym benutzen und wenn Sie z.B. in ein Forum schreiben (z.B. Orthopoint. com), benutzen Sie einen anderes Pseudonym.

Im Gegensatz zum Personen-Pseudonym ist es nicht möglich, ein WWW-Nutzungsprofil (Einkäufe, besondere Interessen, Eigenschaften) über Sie zu erstellen. Denn obwohl Sie *ein* Pseudonym benutzen, besteht die Möglichkeit der Profilentwicklung über Sie. Das Bedeutet nicht, dass Sie erkannt werden. Eine gute Profilkenntniss unterschiedlicher Akteure im Internet über Sie wird früher oder später dazu führen, daß Sie tonnenweise Spam (ungebetene Emails) bekommen.

Das WWW ist bekanntlich ein Netzwerk. Da das Netzwerk keine *Grenzen* kennt, ist ein Datenschutz im WWW nur sehr bedingt möglich. Auch staatliche Gesetzt werden daran nichts ändern. Deshalb muß der *User* selbst für seinen Datenschutz sorgen. Das gehört auch zur Selbstregulation des Internets.

Die Emailabfrage über meinen Freund habe ich nicht wiederholt. Ich habe mein Verhalten im Internet reguliert. Esther Dayson würde sich freuen.


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