Skoliose-Korsetts: Konservative Skoliosebehandlung

Konservative Behandlung der Skoliose mit einem Korsett

Offensichtlich wird und wurde eine stark ausgeprägte Skoliose als Stigma empfunden. Die Versuche ihrer Behandlung reichen 2000 Jahre zurück. Die physikalischen Apparate zur Streckung und "Rückbiegung" der Skoliose in der Geschichte sehen wie mittelalterliche Folterwerkzeuge aus. Ziel der Korsettbehandlung ist es heute, eine weitere Verbiegung der Wirbelsäule zu verhindern und dadurch negative Spät-und Nebenwirkungen zu vermeiden. Selten kann eine eingetretene Skoliose auf 5 Grad "zurückgebogen" werden. Eine Korsettbehandlung kann nur während der Wachstumsphase erfolgreich sein.

Die Behandlung mit einer Orthese wird als konservative Behandlung der Skoliose bezeichnet. 1944 begann in den USA die moderne konservative Orthesenbehandlung. Ein Team von Orthopädietechnikern und Medizinern entwickelte in Milwaukee (USA) das Milwaukee-Korsett. Alle späteren Korsetts beruhen auf der oben beschriebenen Wirkungsweise.

Da bei einer Skoliose die Wirbel gegeneinander "verbogen" sind, muß das Korsett die Verbiegung der Wirbel aufheben oder zumindest einschränken. Das heißt grob vereinfacht, das Korsett übt einen Druck in die Richtung aus, in die sich einzelne Gruppen von Wirbeln "normalerweise" entwickeln sollen. Dabei wird unterschieden zwischen Thorako-lumbo-sakral-Orthesen (TLSO) und Cerviko-thorako-lumbo-sakral-Orthesen (CTLSO).

Bei einer TLSO wird der Druck von drei Seiten ausgeübt (Dreipunktkorrektur). Die drei Punkte bilden die Gegend um die Lendenwirbel, die Außenseite des Beckens und als Gegenhalt den der Brust. Zu diesen Korsettarten gehören die Bostoner- Derotationsorthese, die Lyoner-Derotationsorthese und die Derotationsorthese nach Cheneau.

Durch die CTLSO soll zusätzlich erreicht werden, daß mit eigener Muskelkraft die erreichte Korrektur erhalten bleibt. Dazu wird mit der Orthese erreicht, daß ihr Träger oder Trägerinn durch aktive Streckung der Wirbelsäule Muskeln aufbaut. CTLSO sind Milwaukee-Korsetts.

Die Korsetts werden nach einem Gipsabdruck des Oberkörpers angefertigt. Sie bestehen heute aus Polyethylen. Die Tragedauer des Korsetts beträgt zwischen vier und elf Jahren. Sinnvoll ist eine Behandlung mit einem Korsett meist nur, wenn es 23 Stunden lang getragen wird.

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Bearbeiter: Albrecht Marignoni, Stand: 05/2010
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